Wie viel Jod pro Tag? Was die neuen Referenzwerte bedeuten
Österreich jodiert sein Speisesalz seit 1963 – doch Meersalz, Pflanzendrinks und weniger Salz im Essen verschieben die Rechnung leise.

Meersalz gilt als gesünder – ist aber selten jodiert. Neben rosa Himalaya-Kristallen wirkt jodiertes Vollsalz wie ein Relikt; Österreich setzt dem Speisesalz seit 1963 Jod zu, weil die heimischen Böden jodarm sind. Zeit für einen ehrlichen Blick darauf, woher dein Jod eigentlich kommt.
- Neuer Referenzwert: DGE und ÖGE nennen seit 2025 150 µg Jod pro Tag – vorher 200 µg unter 51 Jahren und 180 µg ab 51
- Warum die Zahl sank: nicht wegen eines geringeren Bedarfs, sondern weil der alte Wert einen Zuschlag gegen die unzureichende Jodversorgung in Deutschland und Österreich enthielt
- Datenlage: Laut RKI-Zahlen, die die DGE 2025 zitiert, haben 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein Risiko für eine zu geringe Zufuhr – erhoben in Deutschland. Für Österreich fehlt eine vergleichbar aktuelle Erhebung
- Die drei Alltagsquellen: jodiertes Speisesalz, täglich Milchprodukte, ein bis zwei Portionen Seefisch pro Woche
- Vorsicht bei: hochdosierten Präparaten und Algenprodukten – nicht beim Jodsalz
Wie viel Jod pro Tag: die neuen Referenzwerte im Vergleich
DGE und Österreichische Gesellschaft für Ernährung (ÖGE) haben den Referenzwert 2025 auf 150 Mikrogramm pro Tag gesenkt; vorher galten 200 µg unter 51 Jahren und 180 µg ab 51. Der Bedarf ist nicht gesunken: Der Wert orientiert sich jetzt am durchschnittlichen Bedarf statt zusätzlich am Ausgleich eines Bevölkerungsdefizits. Die Zahl ist kleiner, das Problem unverändert. Das österreichische Gesundheitsportal nennt mit Stand Oktober 2024 noch 200 µg – kein Widerspruch, nur nicht nachgezogen.
| Wert | Angabe | Quelle / Stand |
|---|---|---|
| Referenzwert neu | 150 µg pro Tag | DGE und ÖGE, 2025 |
| Referenzwert alt (unter 51 Jahren) | 200 µg pro Tag | vor der Revision 2025 |
| Referenzwert alt (ab 51 Jahren) | 180 µg pro Tag | vor der Revision 2025 |
| Noch genannter Wert in Österreich | 200 µg pro Tag | Gesundheitsportal Österreich, Stand Oktober 2024 |
| Vorsorgegrenze aus der Nahrung | 500 µg pro Tag | ÖGE |
| Obergrenze | 600 µg pro Tag | EFSA |
Warum die Jodzufuhr sinkt – und was das für Österreich heißt
Überraschend ist nicht der Mangel, sondern die Datenlage. Nach Zahlen des Robert Koch-Instituts, die die DGE 2025 zitiert, haben 32 Prozent der Erwachsenen und 44 Prozent der Kinder und Jugendlichen ein Risiko für eine zu geringe Jodzufuhr – erhoben in Deutschland, wo nach WHO-Kriterien ein milder Jodmangel vorliegt. Für Österreich fehlt eine vergleichbar aktuelle Erhebung: Die Einordnung im Global Scorecard des Iodine Global Network stützt sich auf Daten von 2010 bis 2012 und weist Österreich als ausreichend versorgt aus. Neuere, nicht repräsentative Stichproben liegen darunter.
Der belegte Rückgang stammt aus deutschen RKI-Daten; der Kropf kommt laut DGE in Deutschland fast nicht mehr vor. Für beide Länder hält die DGE fest, dass der alte Referenzwert einen Zuschlag gegen die unzureichende Jodversorgung in Deutschland und Österreich enthielt. Mehrere Alltagsentwicklungen arbeiten gegen die Versorgung – plausibel, aber nicht als Ursachen belegt.
- Weniger Salz im Essen – gut für Herz und Blutdruck, spürbar fürs Jodkonto
- Meersalz, Steinsalz und „Reformsalze“ in der eigenen Küche: laut Gesundheitsportal Österreich häufig unzureichend jodiert
- Hafer-, Mandel- und Sojadrinks statt Milch – laut DGE praktisch jodfrei
Jod im Alltag: vier Schritte, die die Rechnung entscheiden
Die DGE-Empfehlung ist unspektakulär und deshalb gut umsetzbar: konsequent jodiertes Speisesalz, täglich Milchprodukte, ein bis zwei Mal pro Woche Seefisch. Getreide, Gemüse und Hülsenfrüchte sind jodarm, weil die Böden es sind. In dieser Reihenfolge lohnt sich der Blick:
- Den Salzstreuer prüfen. Jodsalz zu Hause verwenden – und bei Brot, Käse oder Wurst auf den Hinweis „mit jodiertem Salz“ achten.
- Milchprodukte täglich einplanen. Milch oder Milchprodukte jeden Tag; bei entsprechender Fütterung liefern auch Eier Jod.
- Seefisch ein- bis zweimal pro Woche. Etwa Kabeljau oder Seelachs.
- Bei Pflanzendrinks aufs Etikett schauen. Zu mit Jod angereicherten Produkten greifen, denn Hafer-, Mandel- und Sojadrinks sind laut DGE praktisch jodfrei.
Was ein Teelöffel Jodsalz wirklich liefert
Zur Einordnung: Jodiertes Vollsalz hat in Österreich 15 bis 20 mg Jod pro Kilogramm (Speisesalzgesetz). Ein gehäufter Teelöffel – fünf bis sechs Gramm – liefert damit rund 75 bis 100 µg, die Hälfte bis zwei Drittel des Tagesziels – aber nur, wenn wirklich Jodsalz im Streuer steht. Und das liegt schon über der WHO-Höchstmenge von fünf Gramm Salz pro Tag: Mehr salzen ist kein Weg zu mehr Jod. Genau deshalb tragen Milchprodukte und Seefisch den Rest der Rechnung.
Häufige Fehler
- Meersalz für die bessere Wahl halten. Meersalz, Steinsalz und „Reformsalze“ sind laut Gesundheitsportal Österreich häufig unzureichend jodiert – das jodierte Vollsalz ist hier das Funktionsprodukt.
- Milch ersetzen, ohne nachzurechnen. Pflanzendrinks sind laut DGE praktisch jodfrei, wenn sie nicht angereichert sind.
- Mehr salzen, um mehr Jod zu bekommen. Schon ein gehäufter Teelöffel liegt über der WHO-Höchstmenge von fünf Gramm Salz pro Tag.
- Die gesenkte Zahl als Entwarnung lesen. 150 statt 200 µg bedeutet nicht, dass der Bedarf gesunken ist.
- Zu Algen oder hochdosierten Kapseln greifen. Genau dort liegt laut DGE das Risiko der Überversorgung – nicht beim Speisesalz.
Wo Vorsicht angebracht ist
Ein österreichisches Detail zählt in der zweiten Lebenshälfte besonders: Weil das Land jahrzehntelang Jodmangelgebiet war, haben laut AGES vor allem ältere Menschen autonome Zentren in der Schilddrüse entwickelt, die ein Jod-Überangebot aktivieren kann. Das heißt ausdrücklich nicht, Jodsalz meiden zu müssen: Laut DGE sind Seefisch, Milch und jodiertes Speisesalz auch für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen unkritisch.
Das reale Risiko liegt woanders. Die DGE nennt genau zwei Wege zu einer Überversorgung: hochdosierte Präparate und Algen mit hohem Jodgehalt ab etwa 20 mg pro Kilogramm. Bei Kontrollen fand die AGES Seetangprodukte mit fehlenden Warnhinweisen und gesundheitsschädlichen Gehalten; EU-Höchstgehalte fehlen bis heute. Als Vorsorgegrenze nennt die ÖGE 500 µg pro Tag aus der Nahrung, die EFSA-Obergrenze liegt bei 600 µg – über normale Ernährung laut AGES „kaum zu befürchten“.
Fazit
Jod ist kein Trendnährstoff und meist kein Kapsel-Thema. Ob Österreich insgesamt gut versorgt ist, lässt sich mit den vorliegenden Daten nicht sagen – der eigene Salzstreuer schon. Die Versorgung entscheidet sich an drei banalen Stellen: welches Salz im Streuer steht, ob täglich Milchprodukte dabei sind und ob Seefisch auf dem Teller landet. Wer Milch ersetzt hat oder auf Meersalz umgestiegen ist, sollte genauer hinsehen – bei Schilddrüsenbeschwerden ärztlich abklären.
Häufige Fragen zur Jodversorgung
Wie viel Jod pro Tag brauche ich jetzt – 150 oder 200 Mikrogramm?
DGE und ÖGE nennen seit 2025 150 µg pro Tag. Das österreichische Gesundheitsportal führt mit Stand Oktober 2024 noch 200 µg – das ist kein Widerspruch, sondern der ältere Wert, der noch einen Zuschlag gegen die unzureichende Jodversorgung enthielt.
Liefert Meersalz genauso viel Jod wie Jodsalz?
Nein. Meersalz, Steinsalz und „Reformsalze“ sind laut Gesundheitsportal Österreich häufig unzureichend jodiert. Jodiertes Vollsalz enthält in Österreich 15 bis 20 mg Jod pro Kilogramm (Speisesalzgesetz).
Ich trinke Hafer- statt Kuhmilch – muss ich etwas ändern?
Hafer-, Mandel- und Sojadrinks sind laut DGE praktisch jodfrei. Wer Milchprodukte dauerhaft ersetzt, verliert damit eine der drei tragenden Alltagsquellen – angereicherte Produkte gleichen das aus.
Darf ich bei einer Schilddrüsenerkrankung Jodsalz verwenden?
Laut DGE sind Seefisch, Milch und jodiertes Speisesalz auch für Menschen mit Schilddrüsenerkrankungen unkritisch. Die AGES weist allerdings darauf hin, dass vor allem ältere Menschen in Österreich autonome Zentren in der Schilddrüse entwickelt haben, die ein Jod-Überangebot aktivieren kann. Bei Beschwerden gehört das ärztlich abgeklärt – das betrifft vor allem hochdosierte Präparate und Algenprodukte.
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Quellen
- Deutsche Gesellschaft für Ernährung: Neue Referenzwerte für die Jodzufuhr – 150 µg/Tag, RKI-Daten zur Unterversorgung, Lebensmittelempfehlungen (2025)
- AGES: Jod – Situation in Österreich, Obergrenzen von ÖGE und EFSA, Kontrollen von Algenprodukten (Stand 2025)
- Gesundheitsportal Österreich: Jod – Bedarf, Quellen und Mangel, Jodierung des Speisesalzes seit 1963 (2024)
- Iodine Global Network: Global Scorecard of Iodine Nutrition – Länder-Einordnung nach WHO-Kriterien (2025)
- WHO/Europa: Empfehlung von höchstens 5 g Salz pro Tag für Erwachsene (2022)
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